Briefmarken-Sammler-Verein e.V. Sinsheim

Postgeschichte

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Die Zeit von 1872 - 2001


Die Reichspost von 1872 - 1945

Die Reichseinigung von 1871 führt am 1.1.1872 zum Übergang der Badischen Postverwaltung auf das Deutsche Reich. Post und Eisenbahn werden getrennt. Das Postwesen wird der Kaiserlichen Reichspostverwaltung mit ihrer Oberpostdirektion Karlsruhe unterstellt. Die Bahn verbleibt in badischer Regie und ist der Generaldirektion der Grh.Bad.Staatseisenbahn Karlsruhe untergeordnet.

Vom Badischen Bahnhof Basel wird Emil Dehoff nach Sinsheim versetzt. Er leitet nun die Kaiserl.Postexpedition Sinsheim. Ludwig Zittel bleibt nach der Trennung von Post und Bahn nur noch Bahnexpeditor. Beide üben ihre Dienstgeschäfte im Bahnhofsgebäude aus. Zur besseren Unterscheidung von Sinzheim bei Baden-Baden bekommt Sinsheim die Zusatzbezeichnung »an der Elsenz«.

Die Reichspostverwaltung treibt die Verbesserung der Postverhältnisse im ländlichen Bereich weiter voran. In Reihen und Waldangelloch werden 1881 Postagenturen eingerichtet. Adersbach, Ehrstädt, Hasselbach, Rohrbach und Weiler müssen sich von 1884 bis 1888 mit der Inbetriebnahme von sogenannten Posthilfsstellen begnügen.

Am 30.9.1888 wird an der Ecke Allee/Bahnhofstraße das neue Kaiserliche Postamt dem öffentlichen Verkehr zugänglich gemacht. Das von einem Privatmann erstellte Postgebäude wird auf 20 Jahre von der Reichspost angemietet.

 

1901 Das erste Telefon

Im August 1901 hält das Telefon seinen Einzug in Sinsheim. Zur Führung der Fernsprechleitungen über die Dächer von Sinsheim für die 12 Anschlüsse werden auf verschiedenen Häusern in der Bahnhofstraße und Hauptstraße Rohrständer angebracht. Am 6.9. berichtet das Postamt dem Bezirksamt Sinsheim, »daß die hiesige Stadtfernsprecheinrichtung am 22.August d.J.dem Verkehr übergeben worden ist«.

1906 und 1909 werden in den Warengeschäften Georg Eiermann in der Bahnhofstraße und Adolf Lichdi in der Hauptstraße amtliche Verkaufsstellen für Postwertzeichen eingerichtet.

Die Räumlichkeiten des Postgebäudes in der Bahnhofstraße reichen für den stetig zunehmenden Verkehr im Post-und Fernsprechwesen nicht mehr aus. Am 14.4.1909 wird in der Muthstraße das neue Postamt in Betrieb genommen und ist bis heute der Anlaufpunkt für die Sinsheimer Postkunden. Kriegsbedingter Personalmangel zwingt das Postamt 1917 zum Wegfall der 3.Ortsbestellung. Es wird nur noch zweimal am Tag zugestellt.

1919 sind dem Postamt Sinsheim 7 Postagenturen (Berwangen, Dühren, Grombach, Hoffenheim, Kirchardt, Rohrbach, Steinsfurt) und 4 Posthilfsstellen (Adersbach, Bockschaft, Ehrstädt, Hasselbach) zugeteilt.

 

1929 Einführung der Landkraftpost

Die Ablösung der Pferdeposten durch die Kraftpost schritt Anfang des letzten Jahrhundert immer weiter voran. Waren auch viele Postkurse durch den zunehmenden Bau von Eisenbahnlinien im 19.Jahrhundert überflüssig geworden, so behielt die Post doch in Ergänzung der Schienenstränge ihre Funktion als kombinierter Verkehrsträger für Brief-, Paket- und Personenbeförderung.

Die postalische Versorgung der Landbevölkerung gestaltete sich immer noch schwierig. Die Landpostboten mussten auf ihren Routen große Wege gehen. Über 50 % der Gesamtleistung eines Landzustellers war für die Wegezeit aufzubringen. Eine Ablösung der Landpostboten- und Fuhrwerke durch Kraftwagenfahrten war auch aus Kostengründen notwendig geworden.

Am 1.5.1920 übernahm das Postamt Sinsheim im Auftrag der Reichspost die seit Februar 1920 von der Bahnverwaltung betriebenen Kraftomnibuslinien Sinsheim-Waibstadt, Sinsheim-Michelfeld-Mingolsheim und Sinsheim-Hilsbach. Die Kraftpostlinie Sinsheim-Waibstadt erwies sich als nicht lebensfähig und wurde zum 6.2.1922 eingestellt. Die Linie Sinsheim-Michelfeld bis Östringen hielt sich bis zum 5.10.1931. Die Einnahmen aus den Fahrbetrieb können die Unkosten der Kraftpostlinien nicht decken. Die an der Strecke liegenden Gemeinden müssen anteilmäßig pro Kopf ihrer Einwohnerzahl mit einem jährlichen Zuschuss zum Unterhalt der Kraftpostlinien beitragen.

Am 23.7.1929 wird die Landkraftpost Sinsheim mit werktäglich 2 Fahrten zu den betreffenden Orten eingeführt. Die Landkraftposten waren bessere Lieferwagen zur Postsachenbeförderung, welche zusätzlich bis zu fünf Fahrgäste auf einer separaten Sitzbank hinter dem Fahrer mitnehmen konnten. Durch die Einrichtung der Landkraftpost werden die Posthilfstellen im Landbereich in Poststellen umgewandelt. Dies bedeutet eine wesentliche Verbesserung der postalischen Leistungen in den betreffenden Orten. So wird nach Anlieferung der Post mit dem Kraftpostomnibus der Zustelldienst durch die Poststelle wahrgenommen. Auch können dort jetzt Postanweisungen und Zahlkarten entgegengenommen werden.

Treibstoffmangel infolge des Krieges führen am 30.11.1942 zur Aufhebung der Landkraftpost Sinsheim. Mit Hilfe der Eisenbahn und teilweise auch durch Botenpost wurde der Postverkehr in die Landgemeinden aufrecht erhalten. Auch private Pferdefuhrwerke, meist Milchfuhrwerke, wurden in Anspruch genommen. Im August 1944 wird der Kraftpostbetrieb vollständig eingestellt. Am 12.9.1944 meldet das Postamt Sinsheim der Reichspostdirektion Karlsruhe: »Postbeförderung mit dem Fuhrwerk / Infolge Aufhebung der Kraftposten am 7.8.1944 muß die Postbeförderung der Orte Dühren, Eschelbach, Weiler und Hilsbach mit leichtem Zweispännerfuhrwerk durchgeführt werden. Für die Postbeförderung nach Eschelbach und Hilsbach -je einfach 8 km- wurde das leichte Zweispännerfuhrwerk der Luise Kaufmann Witwe, Gärtnereibesitzer, bestellt. Die Postbeförderung findet im Wechsel alle zwei Tage statt. Hierdurch erhalten die aufgeführten Orte dreimal in der Woche Paketpost zusammen mit Briefpost... Die Briefpost für drei Tage der Orte Weiler und Hilsbach wird durch den Posthalter von Weiler befördert, die für Dühren und Eschelbach durch eigenes Personal...Die Post für Epfenbach und Daisbach wird durch Boten befördert...«.

 

1943 Einführung der Postleitzahlen

Der Zweite Weltkrieg führt zu großen Beeinträchtigungen des Postverkehrs in Deutschland. Gegen Ende des Krieges wird es immer schwieriger, Fachkräfte mit ausreichendem geographischen Wissen für die Verteilung der Post zu finden. Da auch die Naziführung in dieser schwierigen Zeit an einer einigermaßen funktionierenden Nachrichtenübermittlung im privaten Bereich interessiert ist, führt die Reichspost am 1.11.1943 ein System von zwei Ziffern und zum Teil einem Buchstaben für alle Postsendungen ein.

Der »Gau« Baden erhielt die Postleitzahl 17a. Um die Anwendung der Postleitzahlen zu fördern, wird die Aufnahme in die Tagesstempel der Postämter und Poststellen(I) sowie in die Gummistempel der Landpoststellen veranlasst. Dazu kommt es aber vor Ende des Krieges in den meisten Fällen nicht mehr.

 

1945 Ende der Reichspost

Am 30.3.erhält das Postamt in Sinsheim einen Volltreffer durch Artilleriebeschuss der deutschen Truppen in der vermeintlichen Abwehr der heranrückenden Amerikaner, welche sich zu diesem Zeitpunkt aber erst im Raume Meckesheim/Zuzenhausen befinden. Am 2.4.1945 wird Sinsheim von den Amerikanern kampflos eingenommen. Damit endet vorläufig die Tätigkeit des Postamtes. Den Schlusspunkt für das Deutsche Reich und für die Deutsche Reichspost setzte die bedingungslose Kapitulation vom 8.5.1945.

 

Neubeginn 1945

Nach Ende des Krieges übte der Alliierte Kontrollrat in Berlin die oberste Staatsgewalt über Deutschland aus. In seine Zuständigkeit fiel auch das Post- und Fernmeldewesen. Deutschland wird in vier Besatzungszonen eingeteilt, deren Grenzen auch die Grenzen der vier Postgebiete darstellen. Sinsheim befindet sich im Gebiet der Amerikanischen Besatzungszone.

Der Wiederaufbau des Postbetriebes gestaltet sich schwierig. Der größte Teil der Bediensteten des Postamt Sinsheim wird vom neuen Landrat aus politischen Gründen im Auftrag der amerikanischen Besatzungsmacht entlassen. Ende August 1945 wird der Postbetrieb, zumeist auf provisorischer Basis unter selbstlosem Einsatz des noch vorhandenen Personals, wieder aufgenommen. Mit Botenpost, privaten Fuhrunternehmern, meist wieder Milchfuhrwerken, werden auch die Landgemeinden postalisch versorgt. Vor Inbetriebnahme des Postdienstes werden von den Gemeinden schon Ende April 1945 wieder Amtsboten zum Landratsamt Sinsheim eingesetzt. Landrat Großmann ordnet am 30.4. an: »Die Postbeförderung ist voraussichtlich auf längere Zeit nicht möglich. Der Postverkehr zwischen den Behörden und den Bürgermeistern muß aber aufrecht erhalten werden. Ich ordne daher an, daß bis zur Wiederaufnahme des geregelten Postverkehrs ein sogenannter Botendienst einzuführen ist. Posttage sind bei mir Mittwochs und Samstags« . Der gesamte durch die Post beförderte Schriftwechsel sowie der Telefonverkehr unterliegen der Zensur gemäss den »Zensurbestimmungen für die Zivilbevölkerung in Deutschland unter der Herrschaft der Militärregierung «.

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Auszug „300 Jahre Post in Sinsheim“, siehe Publikationen

 
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